Gedicht: "Die Digitalkamera"
Dieses Gedicht entstand im September 2005 als kreative Deutsch Hausaufgabe in der 13. Klasse. Die Aufgabe bestand darin entweder ein impressinistisches, naturalistisches oder expressionistisches Gedicht zu schreiben. Da die Reaktionen sehr positiv waren (um bescheiden zu bleiben), möchte ich es hier mit einreihen.
© „Die Digitalkamera“
Die graue Strassenmeile wird zum blutigen Datenstrom in Rot,
Das Blattgrün ein entstellter Farbencode.
Nun ist es tot.
Deplaziert durch braune Köterscheiße die noch bellt,
Die brennende Glut der Sonne die den Tag erhellt.
Nun ist sie tot.
Vielfachwohnungen werden detailliert aufgesogen,
Vögelschwärme flüchtig überflogen.
Nun sind sie tot.
Emotion und Atmosphäre haben den Todeskampf verloren,
Nüchternheit auf Hochglanzpapier ist neu geboren.
Maschiniertes Summen lässt es verlauten.
Stumpfe Erinnerung ist es wert,
Die nur vergilbt und auch verjährt,
Doch wer die Gehirnsynapsen ehrt,
Auch in tausend Jahren noch den Augenblick erfährt.
© Sebastian Kleinau, September 2005
Interpretationshinweis:
Die Kernaussage des Gedichts findet sich in den letzten Zeilen.
„Nüchternheit auf Hochglanzpapier ist neu geboren.“
[...]
„Doch wer die Gehirnsynapsen ehrt,
Auch in tausend Jahren noch den Augenblick erfährt.“
Mein Anliegen war somit darauf hinzuweisen, dass egal wie modern das Medium auch ist, die pure Erinnerung um ein Vielfaches schöner ist, als ein Foto, Video oder Sonstiges. Nur in der Erinnerung kann man den Augenblick nochmal durchleben, nur die Erinnerung gibt den Moment tatsächlich wieder - aber sie muss dazu gepflegt werden.
