Was mich antreibt
Wir wachsen auf, werden von zunächst von außen geformt und formen später uns unser eigenes Weltbild auf der Basis von uns wichtigen Werten, sodass wir schließlich danach handeln. Irgendwann, so hoffe ich jedenfalls, fragt sich jeder, was er erreichen möchte und warum. Die Antwort können wir dann aus eben diesem Weltbild ableiten.
Mir geht es da im Prinzip nicht großartig anders - zumindest wenn ich vergesse, dass ich mit meiner Mukoviszidose Erkrankung eine zusätzliche Herausforderung für die Gestaltung meines Lebens bekommen habe. Wie soll man ein Leben gestalten, von dem man weis, dass es vermutlich keine 30 Jahre dauern wird, bis die eigene Lunge so geschädigt ist, dass der immer schwächer werdende Körper aufgibt?
Um es kurz zu fassen: Ich finde mein Leben großartig und die Begründung dafür liefert Albert Einstein:
Welches ist der Sinn unseres Lebens, welches ist der Sinn des Lebens aller Lebewesen überhaupt? Eine Antwort auf diese Frage wissen, heißt religiös sein. Du fragst: Hat es denn überhaupt einen Sinn, diese Frage zu stellen? Ich antworte: Wer sein eigenes Leben und das seiner Mitmenschen als sinnlos empfindet, der ist nicht nur unglücklich, sondern auch kaum lebensfähig.
Im Innersten zusammenhält, Faust
Nur weil ich kein normales Leben führen kann - und es stellt sich die Frage, ob es erstrebenswert ist ein normales Leben zu führen - heißt das noch lange nicht, dass mein Leben nicht lebenswert ist oder ich es als sinnlos empfinde. Ich habe einen Fluch, der zugleich Segen ist - das Wissen darum, wie wertvoll und kostbar das Leben und jeder Tag darin ist.
Jeder, der sich aktiv damit auseinandersetzt und aktiv sein Leben gestaltet, kann die Frage nach dem Sinn für sich selbst beantworten.
Ich habe meine Antworten gefunden und - ohne sie im Detail zu verraten - habe mich auf den Weg von Goethes Faust begeben. Ich bin ein neugieriger und wissbegieriger Mensch, der wissen will, wie die Dinge funktionieren. Ich kann mich für Dinge begeistern und will aktiv sein - trotz aller gesundheitlichen Herausforderungen.
Verweile doch! du bist so schön!
Dann magst du mich in Fesseln schlagen,
Dann will ich gern zugrunde gehn!, Faust
Mit der Informatik - meinem Studium, meiner Tätigkeit als studentische Hilfskraft, meinen Arbeiten als Webdesigner - habe ich eine Beschäftigung gefunden, die mir Freude bereitet und mich weiterbringt. Trotz meiner Krankheit verfolge ich meine Ziele und will diese erreichen - sowohl im Studium als auch privat. Die Reisen der vergangenen Jahre haben mir unzählige Erfahrungen gebracht, die ich nicht missen möchte. Die eigenen Ziele zu verfolgen und nicht aus dem Blick zu verlieren, trotzdem auch als Beobachter genießen zu können, sich über die kleinen Dinge zu freuen, die andere nicht sehen - das ist es, was mich antreibt - auch wenn es schwer in Worte zu fassen ist.
Während ich dabei oft an meine körperlichen Grenzen stoße, treffe ich leider immer wieder auf Menschen, die bei bester Gesundheit sind und ihr Leben anscheinend unbewusst, im Schlaf verbringen oder nicht viel davon halten. Ich würde mir wünschen, dass sich mehr Leute bewusst mit ihrem Leben auseinandersetzen und ihre eigenen Ziele definieren und verfolgen, denn sie können es noch besser, mit noch mehr Kraft, noch mehr Einsatz tun und noch mehr erreichen, als ich es kann - wenn sie sich darüber bewusst wären.
In diesem Sinne möchte ich auf ein Video verweisen, das - obwohl als Werbespot gedacht - dieses Gefühl meines Erachtens auf eine wunderbare Art und Weise vermittelt: Was uns antreibt.
