Das Leben - Version 1.0
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- Kategorie: Kritisch Gedacht
- Erstellt am Samstag, 13. Mai 2006 17:59
Ich bin im Besitz einer Uhr.
Warum besitze ich eine Uhr?
Damit ich weiss, wie spät es ist.
Warum muss mich das interessieren?
Weil unsere Welt sich von der Zeit abhängig gemacht hat. “Time Is Money” und so Leben wir im Rausch der Geschwindigkeit.
Wir richten die Augen stets nach vorn, um den Hindernissen ausweichen zu können.
Doch was wäre, wenn wir einen Moment lang die Zeit anhalten könnten?
Wir würden sehen, könnten genießen und würden uns an Dingen erfreuen, die wir längst nicht mehr zu schätzen wissen.
Wieso soll ich mich über einen Regentropfen freuen, der auf ein Blatt gefallen ist?
Ich habe eine Uhr, einen Wecker, einen Fernseher, einen Videorekorder, einen DVD-Player, ein Radio, einen Computer mit allen Zubehör, ein Handy und ich lebe in einer digitalen Welt, die sich zunehmend vernetzt.
Ich habe Zugang zum Internet und kann mir den tropischen Regenwald - beziehungsweise den kümmerlichen Rest - jederzeit auf Videos und Bildern auf meinen TFT Monitor herunterladen. Ich kann mich darüber informieren, wo es gerade überall auf der Welt regnet und ich kann live den NASA-Channel sehen und dort Bilder von der ISS empfangen.
Warum sollte ich mich für einen winzigen und unwichtigen Regentropfen interessieren?
Weil dieser Regentropfen ein Teil dieser Welt ist.
Er existiert ebenso, wie ich es tue.
Weil er mit mir etwas gemeinsam hat.
Wir müssen uns beide den Naturkräften fügen.
Das ist das Leben in der Version 1.0.
Wir sollten uns über diese Version freuen - es wird keine Version 2.0 geben.
Ebenso wie der Regentropfen bereits aufgehört hat zu extistieren, geht die Momentaufnahme wider zu Ende und die Zeit beginnt abermals zu rasen.
Wir richten die Augen erneut nach vorne und rasen weiter mit dem Tunnelblick durch das Leben - immer in der Version 1.0



